An unserem ersten Hochzeitstag waren wir auf dem Weg in ein österreichisches Restaurant. Geheiratet hatten wir ein Jahr zuvor in Österreich, das war der ganze Plan. Danach sollte es ins Freiluftkino gehen, die Tickets hatten wir schon.
Dann sahen wir ein kleines rosafarbenes Etwas im Gras. Und ein paar Meter weiter einen Gärtner mit Motorsense, der langsam näher kam.
Wir nannten es Sandro, ohne zu wissen, ob das überhaupt passte, und nahmen ihn mit nach Hause. Restaurant und Kino fielen an diesem Tag aus.
Alle drei Stunden
Sandro war ein Baby, und Babys dieser Größe brauchen alle drei Stunden Nahrung, Tag und Nacht. Wir haben ihn eine Woche lang gefüttert. Die ersten Tage sahen gut aus. Er nahm die Nahrung an, er bewegte sich, wir fingen an, Pläne zu machen.
Nach einer Woche
Er war zu jung. Vermutlich hatte das Muttertier ihn nicht ohne Grund zurückgelassen, Tiere wissen so etwas oft früher als wir. Nach einer Woche Pflege ist Sandro gestorben.
Der Fundtierassistent
Sandro war das dritte von vier Tieren, denen wir zu helfen versucht haben. Vor ihm ein Hase und eine Taube, nach ihm ein Mauersegler. Jedes Mal eine andere Tierart, jedes Mal eine andere Zuständigkeit, und jedes Mal saßen wir mit einem Tier in der Hand vor dem Handy und wussten nicht, wen man anruft.
Deshalb habe ich einen Fundtierassistenten programmiert, der genau diese Frage beantwortet: Was tue ich jetzt, und wer hilft mir in der Nähe? Starten möchte ich ihn gemeinsam mit den Tierschutzvereinen in Berlin und Brandenburg.
Unseren Hochzeitstag sehen wir seitdem anders. Das Restaurant haben wir nachgeholt, die Kinokarten sind verfallen.
Sandro hätte der Assistent nicht gerettet. Er hätte uns nur die drei Stunden erspart, in denen wir nicht wussten, wen wir fragen sollen.


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